Verwendung von Hooks

Insgesamt bringt React aktuell 10 eigene Hooks mit, von denen die offizielle Dokumentation 3 als Basic, also als grundlegende, die restlichen 7 als Additional, also als zusätzliche Hooks betitelt. Und in der Tat ist diese Unterteilung sinnvoll, denn in den meisten Fällen, in denen mit Hooks gearbeitet wird, wird man die 3 Basic Hooks useState(), useEffect() und useContext() verwenden.

Die als Additional Hooks bezeichneten Ausprägungen sind insbesondere für spätere Optimierungen oder zum Abdecken von Edge-Cases vorgesehen. In diesem Kapitel soll es daher erst einmal um die „simplen“ Hooks gehen und ich möchte demonstrieren, wie man Funktionalität mit Function Components realisieren kann, für die bisher Klassen-Komponenten notwendig waren.

State mit useState()

Werfen wir zunächst einen Blick darauf, wie wir bisher auf State in Komponenten zugegriffen haben und wie wir ihn modifiziert haben.

import React from 'react';
import ReactDOM from 'react-dom';
class Counter extends React.Component {
state = {
value: 0,
};
render() {
return (
<div>
<p>Zählerwert: {this.state.value}</p>
<button onClick={() => this.setState((state) => ({ value: state.value + 1 }))}>
+1
</button>
</div>
);
}
}
ReactDOM.render(<Counter />, document.getElementById('root'));

Hier implementieren wir beispielhaft einen Zähler, der mitzählt, wie oft wir den +1-Button gedrückt haben. Zugegeben, nicht gerade kreativ, demonstriert aber sehr gut, wie uns Hooks das Leben an dieser Stelle einfacher machen. Wir zeigen den aktuellen Wert an, indem wir this.state.value auslesen und haben darunter einen Button, mit dem wir den Wert erhöhen können. Dazu rufen wir this.setState() auf und setzen den neuen value auf den vorherigen Wert, den wir um 1 erhöhen.

Schauen wir uns die identische Funktionalität noch einmal an, diesmal in einer Function Component mit dem neuen useState()-Hook:

import React from 'react';
import ReactDOM from 'react-dom';
const Counter = () => {
const [ value, setValue ] = React.useState(0);
return (
<div>
<p>Zählerwert: {value}</p>
<button onClick={() => setValue(value + 1)}>
+1
</button>
</div>
);
}
ReactDOM.render(<Counter />, document.getElementById('root'));

Hier haben wir kein state-Objekt mehr und auch kein this, über das wir auf den State zugreifen. Stattdessen sehen wir hier den Aufruf des internen useState()-Hooks. Dieser funktioniert so, dass er einen Initialwert übergeben bekommt (hier: 0) und einen Tupel zurückgibt, also ein Array mit der gleichen Anzahl von Werten. Im Falle des useState()-Hooks sind das zum einen der aktuelle State, zum anderen eine Setter-Funktion, mit der wir den Wert modifizieren können.

Um direkt auf den Wert und die Setter-Funktion zuzugreifen, machen wir uns die ES2015 Array Destructuring-Methode zu nutze. Diese sorgt dafür, dass der erste Wert des Arrays in die Variable value, der zweite Wert in die Variable setValue geschrieben wird. Beide Namen sind dabei frei wählbar, es hat sich jedoch schnell eingebürgert, dem State einen kurzen, prägnanten Namen zu geben und der Setter-Funktion den gleichen Namen zu geben mit einem Verb wie etwa set, change oder update davor. Die Syntax ist also eine Abkürzung für das folgende ES5 Äquivalent:

var state = React.useState(0);
var value = state[0];
var setValue = state[1];

Im JSX, das wir aus der Counter-Komponente zurückgeben, greifen wir nun direkt auf value statt auf this.state.value zu und setzen den neuen Wert mittels eines sehr kurzen setValue(value + 1) statt wie zuvor in der Klassen-Komponente mittels this.setState((state) => ({ value: state + 1 })).

Wir haben so eben unsere erste Function Component erstellt, die stateful ist!

Wir haben an dieser Stelle unseren ersten Hook verwendet: useState(). Dazu haben wir die Methode React.useState() aufgerufen. Hooks können auch direkt aus dem react-Package importiert werden.

Dies ist insbesondere sinnvoll wenn ein Hook mehrmals verwendet wird. So spart man sich dann in der Komponente einiges an Schreibarbeit:

import React, { useEffect, useState } from 'react';

So können wir in der Komponente bequem direkt useState() nutzen, statt jedesmal React.useState() schreiben zu müssen.

Komponenten sind dabei nicht auf nur einen Hook je Typ beschränkt und so kann es jede Art von Hook auch mehrmals in einer Komponente geben. Möchten wir bspw. zwei Counter hochzählen, müssen wir die Zählerwerte nicht in einem Zähler-Objekt verwalten, sondern können auch mehrere States erzeugen:

import React from 'react';
import ReactDOM from 'react-dom';
const Counter = () => {
const [ firstValue, setFirstValue ] = React.useState(0);
const [ secondValue, setSecondValue ] = React.useState(0);
return (
<div>
<p>Zählerwert 1: {firstValue}</p>
<p>Zählerwert 2: {secondValue}</p>
<button onClick={() => setFirstValue(firstValue + 1)}>+1</button>
<button onClick={() => setSecondValue(secondValue + 1)}>+1</button>
</div>
);
}
ReactDOM.render(<Counter />, document.getElementById('root'));

Für die Arbeit mit komplexen States erfahren wir im weiteren Verlauf dieses Buchs noch mehr über die Verwendung des useReducer()-Hooks. Dieser wurde eingeführt um die Verwaltung komplexer States zu vereinfachen.

Seiteneffekte mit useEffect()

Der useEffect()-Hook erhält seinen Namen daher, dass dieser dazu vorgesehen ist, ihn für Side Effects zu benutzen. Also Seiteneffekte wie das Laden von Daten via API, das Registrieren von globalen Events oder die Manipulation von DOM-Elementen. Der Hook bildet die Funktionalität der componentDidMount(), componentDidUpdate() und componentWillUnmount()-Lifecycle Methoden ab.

Ja, richtig gelesen: Statt der genannten drei Methoden gibt es nun nur noch einen einzigen Hook, der an die vergleichbare Stelle der Methoden aus Klassen-Komponenten tritt. Der Trick dabei ist die genaue Verwendung ganz bestimmter Funktionsparameter und Rückgabewerte, wie sie für den useEffect()-Hook vorgesehen sind.

Zur Benutzung des Hooks wird der useEffect()-Funktion selbst eine Funktion als erster Parameter übergeben. Diese Funktion, nennen wir sie der Einfachheit halber „Effekt-Funktion“, wird von React grundsätzlich erst einmal nach jedem Rendering der Komponente ausgeführt und tritt damit an die Stelle von componentDidUpdate() in Klassen-Komponenten.

Da diese Effekt-Funktion nach jedem Rendering der Komponente aufgerufen wird, wird sie eben auch nach dem ersten Rendering aufgerufen, was an dieser Stelle gleichgesetzt werden kann mit der componentDidMount() Lifecycle-Methode aus den Klassen-Komponenten.

Darüber hinaus kann die Effekt-Funktion optional selbst wiederum eine Funktion zurückgeben. Nennen wir sie „Aufräum-Funktion“. Diese Aufräum-Funktion wird beim Unmounting der Komponente aufgerufen, womit wir bei der nächsten Lifecycle-Methode wären, nämlich componentWillUnmount().

Doch Vorsicht: Hier haben wir gleichzeitig auch die erste Abweichung in der Funktionsweise verglichen mit Klassen-Komponenten. Und so wird unsere Aufräum-Funktion nicht nur beim Unmounting der Komponente aufgerufen, sondern auch vor jeder erneuten Ausführung der Effekt-Funktion.

Dieses Verhalten kann aktiv gesteuert werden, indem dem useEffect()-Hook als zweiter Parameter ein Array mit sog. Dependencies übergeben wird. Dabei handelt es sich um Werte, von denen die Ausführung der Effekt-Funktion abhängt. Wird ein Dependency-Array übergeben, wird der Hook nur einmal initial ausgeführt und dann erst wieder, wenn sich mind. einer der Werte im Dependency-Array geändert hat.

Möchte man hingegen gezielt ein Verhalten ähnlich dem von componentDidMount() simulieren, kann ein leeres Array als zweiter Parameter übergeben werden. React führt die Effekt-Funktion dann nur beim ersten Rendern aus und ruft erst beim Unmounting wieder eine eventuell definierte Aufräum-Funktion auf.

Das klingt jetzt alles sicher wieder fürchterlich kompliziert, wenn man mit der Funktionsweise des Hooks nicht vertraut ist, lässt sich aber mit einem kurzen Code-Beispiel relativ einfach demonstrieren:

import React, { useEffect, useState } from 'react';
import ReactDOM from 'react-dom';
const defaultTitle = 'React mit Hooks';
const Counter = () => {
const [ value, setValue ] = useState(0);
useEffect(() => {
// `document.title` wird bei jeder Änderung (didMount/didUpdate) gesetzt.
// Vorausgesetzt der `value` hat sich gendert
document.title = `Der Button wurde ${value} mal geklickt`;
// Hier geben wir unsere „Aufräum-Funktion“ zurück die vor jedem Update
// den Titel auf den Standardwert zurücksetzt
return () => {
document.title = defaultTitle;
}
// Zuletzt unsere Dependency. Durch sie wird die Effekt-Funktion nur aufgerufen
// wenn sich auch der `value` geändert hat.
}, [value]);
return (
<div>
<p>Zählerwert: {value}</p>
<button onClick={() => setValue(value + 1)}>
+1
</button>
</div>
);
}
ReactDOM.render(<Counter />, document.getElementById('root'));

Da der Hook sich stets innerhalb der Funktion befindet, hat er (ähnlich wie die Lifecycle-Methoden in Klassen-Komponenten) den vollen Zugriff auf die Props und den State der Komponente. Dabei ist der State in der Function Component selbst natürlich wiederum nur ein Hook, nämlich der useState()-Hook.

Durch die Verwendung des useEffect()-Hooks können wir hier die Komplexität verringern, da die Komponente nicht viele, zum Teil sehr ähnliche Dinge an mehreren Stellen innerhalb der Komponente ausführen muss, sondern sich alle für die Komponente relevanten Lifecycle-Events in nur einer einzigen Funktion, eben dem Hook, abspielen.

Zum Vergleich dazu möchte ich hier einmal zeigen, wie der oben gezeigte useEffect()-Hook mit einer Klassen-Komponente implementiert werden würde:

import React from "react";
import ReactDOM from "react-dom";
const defaultTitle = "React mit Hooks";
class Counter extends React.Component {
state = {
value: 0,
};
componentDidMount() {
document.title = `Der Button wurde ${this.state.value} mal geklickt`;
}
componentDidUpdate(prevProps, prevState) {
if (prevState.value !== this.state.value) {
document.title = `Der Button wurde ${this.state.value} mal geklickt`;
}
}
componentWillUnmount() {
document.title = defaultTitle;
}
render() {
return (
<div>
<p>Zählerwert: {this.state.value}</p>
<button
onClick={() => {
this.setState(state => ({ value: state.value + 1 }));
}}
>
+1
</button>
</div>
);
}
}
ReactDOM.render(<Counter />, document.getElementById("root"));

Hier kann natürlich darüber diskutiert werden, dass man den Aufruf zum Ändern des document.title in eine eigene Klassen-Methode wie etwa setDocumentTitle() auslagert, das sind allerdings Details, die an der höheren Komplexität der Klassen-Komponente im direkten Vergleich mit Hooks nicht wirklich etwas ändern.

Auch dann müsste noch immer zweimal die gleiche (nun abstrahierte) Funktion an zwei verschiedenen Stellen (nämlich componentDidMount() und componentDidUpdate()) aufgerufen werden. Zusätzlich hätten wir eine weitere Klassen-Methode, die die Klasse nur noch weiter aufbläht und so die Duplikation nur zu Lasten einer Abstraktion auflöst.

Zugriff auf Context mit useContext()

Der dritte Basic Hook im Bunde ist useContext(). Mit ihm wird es ein Kinderspiel, Daten aus einem Context-Provider zu konsumieren, ohne dass dazu umständlich eine Provider-Komponente mit einer Function as a Child verwendet werden muss.

Dazu bekommt der useContext()-Hook einen mittels React.createContext() erzeugten Context übergeben und gibt dann den Wert des in der Komponenten-Hierarchie nächsthöheren Providers zurück. Wird der Wert des Contexts im Provider geändert, löst der useContext()-Hook ein Rerendering mit den aktualisierten Daten aus dem Provider aus. Damit ist über die Funktionsweise auch schon alles gesagt.

Der Hook ist tatsächlich eher simpler Natur:

import React, { useContext } from "react";
import ReactDOM from "react-dom";
const AccountContext = React.createContext({});
const ContextExample = () => {
const accountData = useContext(AccountContext);
return (
<div>
<p>Name: {accountData.name}</p>
<p>Rolle: {accountData.role}</p>
</div>
);
};
const App = () => (
<AccountContext.Provider value={{ name: "Manuel", role: "admin" }}>
<ContextExample />
</AccountContext.Provider>
);
ReactDOM.render(<App />, document.getElementById("root"));

Hier sehen wir, wie die ContextExample-Komponente Daten (in diesem Beispiel Pseudo-Account-Daten) aus dem AccountContext-Provider verwendet, ohne dass dafür alles von einer AccountContext.Consumer-Komponente umschlossen sein muss. Dies spart nicht nur einige Zeilen Code in der Komponente selbst, sondern führt auch in der Debug-Ansicht zu einem deutlich übersichtlicheren Baum, da die Verschachtelungstiefe flacher ist.

Diese Vereinfachung ist aber völlig optional und wer mag, kann auch weiterhin die bekannte Consumer-Komponente für den Zugriff auf Daten aus einem Context-Provider verwenden.